Faktencheck Stundentafeln

3.4 Überarbeitung der Lehrpläne und Stundentafeln

Neue Lerninhalte wie beispielsweise Digitalisierung, Medienbildung und politische Bildung verlangen eine fächerübergreifende Lehrplanüberarbeitung die sich in den Stundentafeln niederschlagen wird. Mit einer Stundentafelüberarbeitung wird deshalb die im bundesweiten und erst recht europäischen Vergleich überdurchschnittlich hohe Stundenlast der Schülerinnen und Schüler verringert und Raum hierfür geschaffen. Gleichzeitig wird so auch zusätzliches Lehrerarbeitsvolumen zur Absicherung des Unterrichts gewonnen.
Die Lehrpläne und Stundentafeln werden zum 1.August 2019 überarbeitet. Ziel ist eine Absenkung des Unterrichtsvolumens um 4 Prozent bei gleichzeitiger Einhaltung der KMK-Standards. In die Stundentafelüberarbeitung sollen alle Fächergruppen einbezogen werden.

So steht es im Handlungsprogramm „Nachhaltige Sicherung der Bildungsqualität im Freistaat Sachsen“. Was bedeutet das?

Zunächst werfen wir einen Blick auf die Pflichtwochenstunden der Schüler pro Schulart:

Quelle: Wochenpflichtstunden der Schüler

Das bedeutet also z.B. ein Grundschüler in Bremen hat in jedem der 4 Grundschuljahre durchschnittlich 96:4 = 24 Unterrichtsstunden pro Woche. Sachsen liegt hier auf Platz 9, rechnet man die beiden Förderunterrichtsstunden hinzu, wäre es Platz 7. Würde man wie angestrebt 4%, also gerundet 4 Unterrichtsstunden (in jedem Schuljahr eine) streichen, läge Sachsen auf Platz 12 mit Förderstunden bzw. Platz 16 ohne.

Bei den Oberschulen stehen in Sachsen derzeit nach Thüringen die zweitmeisten Stunden auf dem Plan. Kürzt man hier um die angestrebten 4% also 7-8 Unterrichtsstunden (verteilt auf 6 Schuljahre) würde Sachsen ins Mittelfeld abrutschen. Man läge damit aber noch über der von der Kultusministerkonferenz (KMK) vorgegebenen Mindestzahl von 176 Wochenstunden. Eine Kürzung wäre rein theoretisch auch in den Hauptfächern noch zulässig – die KMK fordert z.B. für Mathe und Deutsch mindestens 22 Wochenstunden in 6 Jahren – Sachsen unterrichtet derzeit 26. Die letzte Matheprüfung an den Oberschulen fiel im Durchschnitt der Leipziger Schulen mit Note 4,1 aus.

Quellen: KMK Vereinbarung Sek I, Stundentafel Oberschule Sachsen

Bei den Gymnasien werden es künftig (ab jetzige Klassenstufe 11) noch 265 Jahreswochenstunden von Klasse 5- 12 sein, die Sachsen unterrichtet. Damit wäre keine weitere Kürzung möglich, da die KMK diese Anzahl als Minimum angibt. Die gefühlt hohe Belastung der Schüler in Sachsen rührt daher, dass die Stunden auf 12 statt 13 Schuljahre verteilt werden (so auch in anderen Bundesländern durchaus üblich). Am Gymnasium können also lediglich Stunden ersetzt, aber keine gestrichen werden. Müssen trotzdem insgesamt 4% der Stunden wegfallen, würde der Anteil der zu streichenden Grund- und Oberschulstunden auf 5,5% steigen.

Quellen: KMK Vereinbarung Sek II, Statistisch betrachtet – Schulen in Sachsen (Zahlen zur Überschlagsrechnung)

FAZIT: Von Kürzungen der Stundentafel wären hauptsächlich Grund – und Oberschulen betroffen – die Grundschulen würden beim angedachten Umfang der Kürzung weniger Stunden als die anderen Bundesländer anbieten. Hier ist auch zu bedenken, dass der Anteil der Kinder, die den Hort besuchen, in Sachsen sehr hoch ist. Wird Unterricht gekürzt um Lehrer zu sparen, benötigen die Kommunen mehr Personal für den Hort. Ob es sinnvoll ist, an Oberschulen große Einschnitte zu machen?