Pressemitteilung: Ein Schulnetzplan mit fragwürdigen Prognosen und keinen echten Lösungen

Zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren legt die Stadtverwaltung eine Entwurfsfassung der Fortschreibung des Schulentwicklungsplans vor, zu welchem der Stadtelternrat Leipzig Stellung nimmt.

Die Stadt Leipzig wächst – schneller als jede andere Kommune – und geht selbst davon aus, dass zukünftig hier 700.000 Menschen leben! Derzeit werden hier knapp 50.000 Schüler beschult. Seit ein paar Jahren hat Leipzig zudem jährliche Geburten um die 7.000 Kinder vorzuweisen. Daraus folgt, dass Leipzig in ca. acht bis 10 Jahren 70.000 Schüler haben wird. Das sind 20.000 Schüler mehr als jetzt, ohne den Zuzug zu berücksichtigen. Das sind 20.000 Schüler mehr als jetzt!

Die Stadtelternratsvorsitzende Petra Elias legt den Finger in die Wunde: „Bei den vielen fehlenden Schulen und den Planungszeiträumen bis zur endgültigen Nutzung eines Schulneubaus, müssen konkrete Planungen schon jetzt vorliegen und nicht über einen geeigneten Standort erst 2023 nachgedacht werden!“ Die Stadt Leipzig muss nicht nur stetig neue Schulgebäude bauen, sondern sich auch den Bestandsgebäuden widmen – sonst kann man diese irgendwann nur noch abreißen.

Der vorliegende Schulnetzplan prognostiziert für Gymnasien ein Mehrbedarf von 57 Zügen bis 2030/31. Da etwa die Hälfte der Schüler nach der Grundschule auf die Oberschulen wechselt, die andere Hälfte ans Gymnasium, ergäbe sich für die Oberschulen ebenfalls ein Bedarf von 57 Zügen bis 2030. 4 Jahre vorher (SJ 2026/27) benötigten demzufolge die Grundschulen 114 weitere Züge (2 x 57). Wo werden diese fehlenden 228 Züge entstehen? Wo die Räume und Schulgebäude dafür? Wann beginnen hier Planungsphasen usw.?

Der Schulentwicklungsplan soll den optimalen Zustand an Schule darstellen. „Aber“, so Michael Gehrhardt, „der optimale Zustand wird in Leipzig seit Jahren überschritten, zum Leidwesen von Schülern, Lehrern und Eltern.“

Den Eltern, stellen sich nach der vorliegenden Fortschreibung des SEP 2019 folgende Fragen:

1. Was für ein Resümee zieht die Stadt Leipzig aus dem nicht erreichten Schulentwicklungsplan des vergangenen Jahres?

2. Welche Maßnahmen ergreift die Stadt Leipzig um den optimalen Zustand in Leipzig zu erreichen?

3. In welchem Jahr will die Stadt Leipzig den optimalen Zustand an den Schulen in Leipzig erreichen?

In Folge des jährlich massiv zunehmenden Schüleraufkommens, trifft es zuerst immer die Grundschulen und Förderschulen, vier Jahre später die weiterführenden Schulen. Um jedoch bei der

Wahrheit zu bleiben: Bevor es allerdings die Schulen überhaupt trifft, werden diese Kinder geboren, gehen in Leipziger Kitas und werden sechs Jahre alt. Was tut die Stadt Leipzig in diesen sechs Jahren?

„Auch ist es unklar“ so der Arbeitskreisleiter der Förderschulen Frank Anstatt, „wie man bei den jetzt schon überfüllten Regelschulen und Klassen noch gewollte Inklusion umsetzen kann.“ Die Schulen im Bereich der geistigen Entwicklung sind voll. „Die Idee an allen Förderschulen mit oberzentralen Funktionen (Hören, Sehen, Sprache, körperliche Einschränkung) zusätzlich gB-Klassen einzurichten ist nicht möglich, da auch die räumlichen und sächlichen Voraussetzungen nicht gegeben sind“, so Anstatt. Die Schulen sind bereits jetzt schon an bzw. über ihrer Kapazitätsgrenze.

Die Schulen in freier Trägerschaft können diese „Raumlücken“ nur bedingt füllen, da auch deren Mittel sehr begrenzt sind. „Generell bleibt natürlich die

Frage, warum (vor dem Hintergrund des Gleichstellungsgesetzes freier Schulen mit staatlichen Schulen) Fördermittel aus den beiden Schulbauprogrammen (Stadt und Land) nicht auch an freie Schulen fließen sollten. Dies ist nicht nachvollziehbar.“ so Annette Baumeister, Arbeitskreisleiterin Freie Schulen im Stadtelternrat.